Dienstag, 27. Oktober 2015

termine, termine, termine

die letzte woche war voll gepackt mit terminen. 

einer davon war im ruhrgebiet mit 3h anfahrt für mich, denn sämtliche lkws der republik hatten sich an diesem nachmittag geschworen, die innerdeutsche meisterschaft mit internationaler beteiligung im überholen auszutragen, gerne auch dreispurig und in der baustelle. 
die polen haben meiner meinung nach gewonnen und ich denke, ich darf mich als expertin betrachten, ich hatte lange und ausgiebig zeit, mir den wettbewerb anzuschauen, zu beurteilen und unfreiwillig manchmal auch daran teilzunehmen.

ich kam mit verspätung und abgehetzt zum termin, 25 augenpaare schauten mich an. ich schämte mich ein wenig, die vorstellungsrunde war bereits rum und das seminar hatte begonnen. bis ich dann reinplatzte. 

nach mir kam noch jemand aus köln.
danach jemand aus dem sauerland.
noch eine aus owl.

die veranstaltung war für leute aus ganz nrw. einen termin wochentags um 16.30 mitten im dicksten ruhgebiet starten zu lassen, war organisatorisch ganz offensichtlich keine meisterleistung. 

uns wurde ein neues programm erklärt, welches wir demnächst zu benutzen haben. zu beginn kam ich mir ganz klein und schäbig vor, denn einige der abkürzungen, mit denen dort geredet wurde, kannte ich nicht, andere hatte ich schon gehört, wusste aber nicht genau, was sie bedeuten und ab und zu waren da worte, dich ich verstand. 

ok, der tag würde lang und anstrengend werden und ich musste mich konzentrieren.

jo. und dann kam nix mehr. nach dieser kryptischen einleitung sahen wir uns das sich selbst erklärende programm an. das wars. nach einer knappen stunde bedankte sich der moderator für die aufmerksamkeit, war ganz begeistert, uns 2h eher entlassen zu können und beendete die veranstaltung. 

dafür war ich 200km in 3h angereist, hatte mich beeilt, gehetzt, wildfremde andere autofahrer auf der strecke wüst beschimpft und mit unflätigen gesten bedacht, kein mittag gegessen (war also hochgradig unterzuckert, immer ein schlechter zustand) und durfte nach diesem keks-event jetzt wieder nach hause fahren. 

für einen kurzen moment steigerte ich mich in meine phantasien, was ich diesem menschen jetzt und sofort, ungebremst und ungefiltert alles an den kopf werfen würde. auch für meine verhältnisse war das ne menge und die in meinem kopf herumhüpfenden ausdrücke waren durch die bank sehr farbig, detailiert und einfallsreich. ein klein wenig war ich stolz auf mich. bei beschimpfungen bin ich ganz offensichtlich talentiert.

warum auch immer meldete sich dann allerdings mein hirn und ich hörte es sogar, es scheint stimmtrainig gemacht zu haben. 
ich atmete tief durch, sagte gar nichts, stieg in den wagen und fuhr meinen bruder besuchen, den ich viel zu selten sehe. tatsächlich war er zu hause und ich nutzte die zeit für ein gutes gespräch, anstatt im seminar zu hocken. 

irgendwie war das dann auch viel schöner. :-)